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Indisch Essen im Ceylonas in Stuttgart-West

Eine Groupon-Aktion lockte uns vor einiger Zeit zum ersten und letzten Mal in das indische / ceylonesische Restaurant "Ceylonas" im Stuttgarter Westen. Obwohl wir bei der Tischreservierung angegeben hatten, dass wir einen Groupon-Gutschein haben, wurde unser Gutschein im Lokal nicht akzeptiert – einen Tisch hatte man uns übrigens auch nicht reserviert. Darum wurde uns (relativ schroff) zu zweit ein Tisch für 6 Personen zugewiesen, den letzten freien Tisch im Lokal, das seinerseits sehr eng bestuhlt ist und seine besseren Zeiten offenbar schon länger hinter sich hat. Da der (bereits bezahlte) Gutschein wie gesagt nicht akzeptiert wurde und wir aber trotzdem Hunger hatten, blieben wir.

Wir wurden von unterschiedlichen Kellnern bedient, die man auch differenziert betrachten muss. Da war einmal ein deutscher Kellner, der sehr unhöflich war, sowie zwei ceylonische Kellner, die jedoch freundlich waren.

Während wir nun also an der Vorspeise saßen, kam eine Gruppe von 6 Personen ins Lokal, die offenbar den Tisch reserviert hatte, den man uns zugewiesen hatte. Darum wurden wir vom deutschen Kellner recht unhöflich aufgefordert, den Tisch frei zu machen. Da standen wir dann also sinnlos in der Gegend rum, bis zwei andere Gäste, die bereits gegessen hatten, ihrerseits recht unhöflich abkassiert und zum schnellen Freigeben des Tisches aufgefordert wurden. Bis der Tisch frei war standen unsere angegessenen Vorspeisen auf dem mittlerweile besetzten 6er-Tisch.

Zum Säubern der Tischdecke oder zum vollständigen Abräumen des alten Geschirrs an unserem neuen Tisch war offenbar keine Zeit. Darum saßen wir nun an einer ziemlich verdreckten Tischdecke mit vielen Soßenflecken. Selbst ganze Häufchen Reis mit Soße von unseren Vorgängern lagen noch auf der Tischdecke rum. Zwischen alten Gläsern hat man zwischenzeitlich auch unsere Gläser und angegessenen Vorspeisen platziert. Genaugenommen wirkte das ganze Ambiente eher sehr unhygienisch.

Einmal fiel einem Kellner ein komplettes Essen auf den Teppich direkt vor unserem Tisch. Die nachfolgende Säuberungsaktion wirkte recht unbeholfen, sorgte jedoch für weitere Ungemütlichkeit an unserem Tisch. Das kann sicher einmal in jedem Restaurant passieren, aber mit allem, was an diesem Abend in dem Lokal lief, verstärkte das den kuriosen Eindruck des Abends.

Vieles war so skurril, dass wir eigentlich nur darauf warteten, dass irgendwann alle übrigen Gäste aufspringen und "Verstehen Sie Spaß?" rufen.

Das Essen an sich war eigentlich ganz ok, aber so richtig Appetit hatten wir aufgrund der ganzen Umstände jetzt gar nicht mehr so richtig. Eigentlich hätten wir aufstehen und gehen sollen ...

Symbolfoto aus Neu Delhi von Hendrikm2 CC-BY-SA-3.0 oder GFDL, via Wikimedia Commons

Adresse: Reinsburgstraße 74, 70178 Stuttgart
Homepage: http://ceylonas-restaurant.blogspot.de/

Essen
Vielfalt
Ambiente
Service
  (deutscher Kellner)
Service
  (srilankesische Kellner)
Gesamt

Vegetarisch Schlemmen in Zürich: Hiltl

Als das Hiltl vor über 115 Jahren als "Vegetarierheim" und damit (laut Guiness-Buch) als das erste vegetarische Restaurant der Welt eröffnet wurde, war vegetarische Kost noch verrufen, und die Gäste seien damals oft auch nur durch die Hintertüre in das Lokal gegangen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Das Hiltl erfreut sich mittlerweile sehr großer Beliebtheit. Das ist kein Wunder, denn das Hiltl bietet heute eine sehr große Auswahl an vegetarischen Gerichten aus der ganzen Welt. Diese werden entweder aus der Speisekarte bestellt und am Tisch serviert, oder in Selbstbedienung aus einem sehr umfangreichen Buffet selbst gewählt.

Wir essen immer vom Buffet, da man hier gleich mehrere Gerichte probieren kann. Dennoch fällt die Auswahl schwer, da man am liebsten alles probieren möchte. Das Buffet bietet viele leckere Salate (Tipp: unbedingt auch den grünen Bohnensalat probieren), viele Gerichte aus der ganzen Welt (dabei viel indisches) viele verschiedene Bratlinge und Taler, aber auch verschiedene Desserts, Kuchen und frische Säfte und vieles mehr ...

Für uns gehört (meindestens einmal) ein Besuch im Hiltl zu jedem Zürich-Trip einfach dazu, denn wer einmal von den leckeren und gesunden Gerichten gegessen hat, wird geradezu süchtig danach. Das Hiltl ist übrigens nicht nur Restaurant, je nach Uhrzeit ist es auch Lounge, Bar oder Club. Dazu gibt es noch ein Kochattelier, in dem vegetarische Kochkurse angeboten werden. Außerdem gibt es in Zürich an verschiedenen Orten noch "Außenstellen", bzw. unter dem Namen Tibits gibt es das gute Essen auch in anderen Städten.

Preislich ist das Hiltl sicherlich kein Schnäppchen, doch da die Preise in der Schweiz für deutsche Verhältnisse ohnehin sehr hoch sind ist es im Vergleich nicht teuerer als ein anderes Restaurant in Zürich. Dafür kann man sicher sein, dass nur sehr hochwertige Lebensmittel verwendet wurden und das Preis-Leistungsverhältnis absolut stimmt.

Wer übrigens selber einmal den Kochlöffel schwingen möchte kann seine Lieblingsrezepte in den Hiltl-Kochbüchern finden und nachkochen.

Hätte ich ein Wunsch frei und dürfte mir die Kopie eines beliebigen Restaurants nach Stuttgart wünschen, dann wäre das ein Hiltl (oder Tibits).

Foto: Adrian Michael, CC 3.0 BY-SA

Adresse: Sihlstrasse 28, 8001 Zürich
Homepage: www.hiltl.ch

Essen
Vielfalt
Ambiente
Service
Gesamt

Geschmorte Linsen aus Umbrien

Zusammenfassung

Menge
Portionen
Zubereitungszeit
15 Minuten
Kochdauer
45 Minuten
Gesamtzeit
1 Stunde

Beschreibung

Eines vorweg: Ich liebe Linsen, und das in fast jeder Form – ob als indisches Dal, als Salat, oder auch mal klassisch schwäbisch mit Spätzle und Saitenwürstchen. Linsen sind einfach lecker und für sich allein genommen auch sehr gesund. Sie sind reich an wertvollem Eiweiß, den B-Vitaminen und Spurenelementen wie Kalium, Magnesium, Eisen und Zink.

Außerdem liebe ich die italienische Küche. Was könnte darum mehr begeistern, als ein italienisches Linsengericht?

Dieses italienische Rezept ist eine schöne und in Deutschland vermutlich relativ unübliche Version eines Linsengerichts und unheimlich lecker.

Zutaten

300 g
Linsen
100 g
geräucherten Speck (gewürfelt)
1  
Zwiebel (gewürfelt)
10 Bl.
Salbei (fein geschnitten)
800 ml
Gemüsebrühe
1 Dos.
Tomaten (gewürfelt)
   
Olivenöl
   
Salz
   
Pfeffer

Anleitung

  1. Die Speckwürfel in einem Topf in etwas Olivenöl auslassen.
  2. Die Zwiebelwürfel und den fein geschnittenen Salbei dazugeben und kurz andünsten lassen.
  3. Dann die rohen Linsen in den Topf geben und alles gemeinsam kurz leicht braten lassen.
  4. Mit den Dosentomaten und der Gemüsebrühe ablöschen, mit Salz und Pfeffer würzen und für 45 Minuten köcheln lassen.
  5. Abschmecken und mit einem Salbeiblatt dekoriert servieren.

Ist Windows fleißiger als Linux? Oder warum ein unbenutzter Computer sich zu Tode rechnet ...

Ich habe das "Glück", bei der Arbeit zwei Computer benutzen zu müssen dürfen. Einmal Windows, einmal Linux. Der Windowsrechner wird benötigt, um ins firmeneigene Intranet zu kommen und um meine Firmenmails zu lesen. An dem Linuxrechner wird gearbeitet und programmiert.

Das kuriose dabei ist nur, dass am Windows-Laptop ständig das Festplattenlichtlein flackert, Windows also ständig irgendetwas auf die Platte schreibt oder davon liest. Auch die Auslastung von 4 (vier!!!) Prozessorkernen im Ruhezustand ist äußerst beachtlich (siehe Abbildung oben). Als das Bild gemacht wurde, war der Computer seit einigen Stunden eingeschaltet, aber kein einziges (ich wiederhole: kein einziges) Anwendungsprogramm läuft. Kein Mailprogramm, kein Browser, kein Office, kein gar nichts - außer eben dem Prozessmonitor, aber der auch nur um es zu demonstrieren. Den Rechner habe ich seit 8 Tagen und als ich ihn bekam war er neu und hat nur das firmeneigene Standardimage. Keine Dienstleichen oder dergleichen vorhanden, da ich in den 8 Tagen außer Outlook und Internet Explodierer Explorer nichts gestartet habe.

Zur gleichen Zeit auf dem Linux-Laptop, während viele Programme gestartet sind und an denen gearbeitet wird: Firefox, Thunderbird, Skype, Eclipse und dazu noch ein laufender Amarok (MP3-Spieler), von eigenen Mailserverdiensten und Webserverdiensten ganz zu schweigen, dazu noch einige große Datenbankendienste:

Fast keine CPU-Auslastung.

Daher: Was um alles in der Welt macht Windows, wenn es eigentlich nichts macht???

Offener Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung

Das absolut fabelhafte Frl. Wommy Wonder feierte vor wenigen Tagen die Premiere ihrer aktuellen Show "Wonder-Bar 3D ... jetzt auch mit Anfassen". Es ist ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Das Publikum tobte und war an diesem Abend allerbestens unterhalten. Bis auf einen - der verstand weder das Konzept des Abends, noch die Witze. Wahrscheinlich war das Niveau für ihn zu hoch. Dumm nur, dass der einzige, der es nicht verstand, der Schreiberling der Stuttgarter Zeitung war. So kam es, dass die Stuttgarter Nachrichten, deren Gesandter die Show verstand, den Premierenabend sehr lobte und damit die Stimmung im Publikum korrekt wiedergab. Immerhin gab das Publikum am Ende über 12 Minuten stehenden Applaus. Die Stuttgarter Zeitung hingegen einen lieblosen, abwertenden, tendenziösen Verriss dahinrotzte, der weder die konkreten Fakten korrekt wiedergab, noch die Stimmung und Eindrücke des Abends richtig beschrieb. Wenn 199 Leute lachen und Spaß haben, aber einer nicht, wo muss man dann den Fehler suchen? Auf der Bühne sicher nicht. Das wäre ja so, wie wenn ein Geisterfahrer auf der Autobahn die Verkehrsregeln in Frage stellte, da ihm so viele entgegen kommen.

Da die Stuttgarter Zeitung meinen Leserbrief über ihre Homepage bisher nicht veröffentlich hat, möchte ich ihn hier als offenen Leserbrief veröffentlichen.

Ihr Schreiberling Frank Armbruster umschreibt sehr umständlich, dass er an dem Abend eigentlich überhaupt nichts verstanden hat. Es ist keine Schande, ein Programm nicht zu verstehen. Es ist kein Beinbruch, eine Vorstellung nicht zu mögen. Aber es ist ziemlich dämlich, jemanden einen Artikel über etwas schreiben zu lassen, das er ganz offensichtlich nicht im geringsten verstanden hat, und dadurch den Künstlern zu schaden. Und auch so etwas abzudrucken ist eigentlich ein Kunstfehler.
Frl. Wommy Wonder plumpe Zoten zu unterstellen ist in etwa so wie Ghandi einen Kriegstreiber zu nennen.
Ich sehe seit fast 20 Jahren jedes Programm von Frl. Wommy Wonder mehrmals, und ich war schon bei vielen ihrer Premieren dabei - gerade weil ich ihren feinsinnigen und sehr intelligenten Humor sehr schätze.
Michael Panzer beweist immer wieder, dass er ein Meister der Wortspiele ist, der sehr schlagfertig, pointiert und geistreich auch spontan auf jede Situation reagieren kann. Aber um das zu verstehen, hätte Ihr Autor wohl erst einmal auf dem selben Niveau sein müssen.
Und ja, er hat vielleicht richtig erkannt, dass Wommy rein stimmlich einer Maria Callas unterlegen ist - aber hätte er mal auf den Text geachtet, hätte er sicher erkannt, dass hier die Juwelen zu finden sind - und ganz davon abgesehen finde ich den Gesang sowohl von Frl. Wommy Wonder, als auch von Pianist Tobias Becker vollkommen in Ordnung und zum Konzept der Show passend. Das konnte Armbruster aber nicht bemerken, da er das Konzept ja nicht verstand.
Auch Schwester Bärbel darf mehr als nur "herumschlurfen und Grimassen schneiden", sie hat sogar eine sehr beeindruckende Solonummer, die Armbruster komplett entgangen sein musste.
Wommy bietet ein sehr ausgefeiltes Programm, sicher auch mit ein paar sexuellen Witzen, aber auch mit viel Tiefgang, Emotionen und Nachdenklichem. Ehrlich gesagt finde ich das Programm der drei Künstler äußerst sehenswert und eine absolute Empfehlung für Menschen mit geistigem Tiefgang und Sinn für gute Unterhaltung. Stuttgart kann Stolz sein, Wommy, Bärbel und Tobias Becker bieten zu können.
Armbruster muss in einem anderen Programm gewesen sein - oder hat, wie schon erwähnt, rein gar nichts kapiert. Das dafür aber sehr gründlich.

With a Little Help of my Friends?

Ich habe vor knapp 3 Wochen eine Satire-Nachrichtenseite begonnen, den Neuländer Boten. Natürlich fällt es mir gerade am Anfang eines solchen Projekts (wie jeder neuen Webseite) nicht leicht, in den unendlichen Weiten des Netzes bekannt zu werden.

Daher habe ich eine kleine Bitte an euch: Helft mir, die Seite bekannt zu machen, indem ihr z.B. Beiträge, die euch gefallen, liked, teilt, auf der Seite kommentiert usw. Ich erwarte keine Almosen, aber wenn euch etwas gefällt, eine wohlwollende Unterstützung.

Außerdem kann man dem Neuländer Boten auch auf Facebook, Twitter und Google+ folgen. War ja nur eine Idee... :)

Drei der meistgelesenen Artikel:

Das Bild mit den Autos innerhalb des Screenshots ist © Rainer Sturm  / pixelio.de

American Chocolate Chip Cookies

Zusammenfassung

Menge
Stück
Zubereitungszeit
15 Minuten
Kochdauer
45 Minuten
Gesamtzeit
1 Stunde

Beschreibung

Diese wunderbaren Cookies erinnern an die beliebten Cookies einer bekannten Sandwich-Kette. Sie sind außen knusprig, innen chewy und die Schokostückchen haben noch leichten Biss. Das Rezept habe ich aber schon seit über 20 Jahre, als diese Kette in Deutschland noch völlig unbekannt war. Ich habe es damals von einer amerikanischen Freundin meines Onkels erhalten, und da ich ein großer Freund von Amerika bin (jedoch nicht unbedingt von dessen derzeitiger Politik) hielt ich das Rezept die ganzen Jahre in Ehren und habe es immer mal wieder gebacken, da es sehr einfach ist, schnell geht, und unheimlich lecker ist.

Zutaten

250 g
Butter (auf Zimmertemperatur)
100 g
Zucker
100 g
brauner Zucker
1 Pris.
Salz
1⁄2 Pckg.
Backpulver
400 g
Mehl
1 Pckg.
Vanillezucker
150 g
weiße Schokolade (grob gehackt)
150 g
dunkle Schokolade (grob gehackt)

Anleitung

  1. Backofen bei 175°C vorheizen, Umluft bei etwa 150°C
  2. Die Butter mit dem weißen und braunen Zucker in einer Schüssel gut verrühren bis es eine homogene Masse ist.
  3. Die Eier mit dem Salz unter die Butter-Zucker-Masse rühren bis es leicht schaumig ist.
  4. Das Mehl mit dem Vanillezucker und Backpulver unter den Teig rühren.
  5. Zum Schluß die grob gehackte Schokolade unter den Teig kneten.
  6. Mit der Hand etwa tischtennisballgroße Kugeln formen, diese plattdrücken und mit viel Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzen. Menge ergibt ca. 3 Backbleche mit je 9 Cookies.
  7. ca. 12 Minuten im Backofen backen, danach auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.

Bemerkungen

  • Statt des Backpulvers kann auch Natron genommen werden. Das entspricht dem amerikanischen "Baking Soda" und macht es noch originaler.
  • Weitere Varianten: Statt der dunklen Schokolade können auch Macadamia-Nüsse verwendet werden, die Schokolade kann ganz durch M&Ms ersetzt werden, ...
  • Wer es lieber knusprig statt chewy mag, lässt die Cookies einfach ein paar Minuten länger im Ofen.
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Tomatensoßenflecken auf weißer Tischdecke verschwinden wie von Geisterhand

Man hört es immer wieder: Hartnäckige Tomatensoßen- oder Karottenflecken sollen wie von alleine verschwinden, wenn man sie in die Sonne hängt. Schwer vorstellbar ist es jedoch schon, dass ein wenig Sonnenlicht auslöschen soll, wo harte Chemie gänzlich versagte.

Doch aus erster Hand kann ich berichten: Ja, es funktioniert. Und sogar recht schnell und rückstandslos.

Mehrere Tomatensoßenflecken auf einer weißen Baumwoll-Tischdecke waren die Übrigbleibsel meiner letzten gemütlichen Zusammenkunft mit netten Freunden. Die Flecken ließen sich auch beim Waschen mit 60° nebst Behandlung mit Sauerstoffbleiche und speziellem Weißwäsche-Waschmittel mit Aufheller nicht aus der Tischdecke entfernen und grinsten mich nach der letzten Wäsche immer noch frech rot an.

Für kurze Zeit sah es so aus, als würde ich mich von der Tischdecke verabschieden müssen. Doch ohne lange zu zögern hängte ich die noch feuchte Tischdecke in die Sonne, und zwar so, dass die Flecken direkt beschienen werden. Nach ungefähr 90 Minuten in der prallen Sonne wagte ich einen ersten Blick: Die Tischdecke war durch und durch weiß. Es funktioniert tatsächlich wunderbar - selbst in der März-Wintersonne.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

"Hiltl" für daheim

Vegetarisches Essen kann ganz schön langweilig sein. Lieblos aufgewärmte Fertig-Tiefkühl-Grünkern-Taler und verkochtes, fades Gemüse gelten in so manchen Restaurants schon als höchste Kunst fleischloser Kost.

Wer aber einmal vegetarisches Essen probieren möchte, das an Köstlichkeit selbst mit dem schönsten Stück Fleisch nicht übertroffen werden kann, der sollte im ältesten vegetarischen Restaurant der Welt, dem Hiltl in Zürich, einkehren. Wer die Reise ins ferne Zürich scheut oder auch zuhause die köstlichen Hiltl-Rezepte nachkochen will, findet im gutsortierten Buchhandel hochwertige Kochbücher mit den tollen Rezepten von Rolf Hiltl.

In diesen Kochbüchern werden viele leckere Rezepte mit gut verständlicher Anleitung und schönen Bildern vorgestellt, die zwar zum größten Teil äußerst raffiniert, aber dennoch allesamt gut nachkochbar sind. Da bekommt man schon beim Durchblättern Hunger und würde am liebsten einmal von vorne bis hinten alles durchkochen.

Viele Gerichte haben eine indische Note, was nicht verwundert, da das Hiltl schon seit Jahrzehnten gute Kontakte nach Indien unterhält. Dieser Einfluß schlägt sich an den vielen leckeren Gewürzen und Zutaten in den Gerichten nieder, so dass jedes Gericht eine wahre Symphonie an Geschmäcken darstellt und problemlos jeden Wunsch nach Fleisch verblassen lässt.

Aber auch Gerichte mit Einflüssen aus anderen Regionen (z.B. arabisch oder mediterran) sind vertreten. Neben leckeren Suppen, Salaten und Hauptspeisen finden sich auch Rezepte für schöne Desserts, Saucen, Chutneys und Getränke.

Es sind zwei wirklich sehr schöne Kochbücher, die trotz dem relativ hohen Preis in keinem Hobbykoch-Haushalt fehlen sollten. Denn bei diesen tollen vegetarischen Rezepten kommt auch ein eingefleischter Karnivor ins Schwärmen.

Image of Vegetarisch nach Lust und Laune
Autor: Rolf Hiltl
Verlag: Werd Verlag Ag (2013)
Bindung: Gebundene Ausgabe, 190 Seiten
Preis: EUR 47,00

Image of Hiltl: Vegetarisch. Die Welt zu Gast
Autor: Rolf Hiltl
Verlag: Orell Fuessli (2009)
Bindung: Gebundene Ausgabe, 176 Seiten
Preis: EUR 46,95

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Mr. Big's American Diner in Stuttgart-Feuerbach

Amerika, das klingt nach Goldsuche, Wagnis und Abenteuer. Und in ein eben solches Abenteuer wagten wir uns zu viert (zugegebenermaßen schon vor einiger Zeit) im American Diner "Mr. Big's" in Feuerbach. Auf Groupon hatte man uns mit einer Grillplatte mit saftigen Steaks, knusprigen Chicken-Wings sowie leckeren Beilagen und köstlichen Dips nach Wahl geködert. Und da ich ein großer Amerika-Fan bin und in Amerika auch schon viele Diner besucht habe, war die Vorfreude doch groß.

Per Mail wurde daher ein Tisch für vier reserviert, wie es der Groupon-Deal forderte, die Reservierungsbestätigung kam ebenfalls schnell per Mail zurück, und wir freuten uns auf einen schönen amerikanischen Abend "ohne dass wir durch den Zoll müssen", wie es auf der Homepage steht.

Am Abend unseres Ausflugs in die Diner-Kultur der 60er Jahre in Amerika staunten wir beim Besuch des Lokals schon mal ein wenig. Es hat teilweise schon Elemente eines Diners, ja, aber irgendwie not in a good way. Klar, man darf bei einem Diner kein Sternelokal erwarten (darauf weisst übrigens auch die Homepage hin), aber hier müsste man schon sehr viele Erwartungen ablegen, um nicht enttäuscht zu werden.

Doch man soll vom ersten Eindruck noch nicht urteilen, so gingen wir an die Theke und sagten, dass wir einen Tisch für 4 Personen reserviert haben. Mit folgendem Dialog hieß man uns dann herzlich willkommen:

Bedienung: Sie haben nicht reserviert, wir haben keine Reservierung auf ihren Namen.

Ich: Oh, das ist seltsam. Ich habe aber sogar eine Bestätigungsmail bekommen, dass alles klar geht.

Bedienung: Das kann gar nicht sein, bei uns kann man nicht per Mail reservieren.

Ich: So stand das aber bei Groupon, und ich habe ja sogar eine Antwort bekommen ...

Bedienung: Ich frag ihn mal ... (geht ab, kommt nach kurzer Zeit wieder) ja, ist doch angekommen, aber sie sehen ja, ist alles voll.

Ich: Ähm ... ja ... ähm ... was machen wir denn dann?

Bedienung: Dieser Tisch wird bestimmt bald frei, sie können ja solange an den Tresen stehen ...

Gesagt, getan. Nach ca. 15 Minuten wurde dann tatsächlich der Tisch frei, und nachdem er notdürftig von uns mit Servietten abgewischt wurde, konnten wir uns setzen und aus den verschmierten Speisekarten unsere Getränke auswählen.

Gast 1: Ich hätte gerne ein Desperados, bitte.

Bedienung: Hat er keines gekauft. Ich bin ja schon froh, wenn er Pepsi kauft ...

Gast 1: Dann nehm ich halt ein normales Bier.

Ich: Ich hätte gerne ein Dr. Pepper, bitte.

Bedienung: Muss ich mal schauen, ob wir das noch dahaben ... sie haben Glück, ein Glas war gerade noch da.

Ob man da wirklich von Glück sprechen kann, weiß ich noch nicht. Wieso ich da unsicher bin, verdeutlicht dieser Dialog, der am Tisch stattfand:

Gast 2: (zu mir) Ich trinke ja auch gerne Dr. Pepper, aber das hat immer so viel Kohlensäure.

Ich: (zu ihm) Das hier nicht.

Doch wie war das Essen? Abgesehen von einer lächerlich kleinen Portion war das Essen eher nicht so der Renner. Da wir aber immer noch hungrig waren, haben wir noch eine Runde Burger bestellt. Auch hier nichts besonderes, bessere Burger in Stuttgart zu finden bedarf keiner großen Anstrengung. Aber finden konnte man dennoch so einiges, z.B. ein Haar in einem der Burger.

Klar darf man bei einem Diner keine Maßstäbe wie bei einem Sternelokal anlegen, und wir hätten auch stillschweigend über den einen oder anderen kleinen Mangel hinweggesehen. Aber der ganze Abend war eine absurde Aneinanderreihung von unguten Umständen. Es gibt immer mal so Tage, an denen einfach alles schief geht, und ich möchte nicht ausschließen, dass wir eben einen dieser Tage erwischt haben. Aber einige Kunden-Bewertungen im Internet deuten darauf hin, dass wir nicht die einzigen waren, die solche Erfahrungen gemacht haben.

Fazit des Abends: Sowohl ich als auch meine 3 Begleiter waren ziemlich enttäuscht. Beim Ambiente, beim Service, bei der Sauberkeit und auch beim Essen ist noch viel Platz nach oben. Keiner von uns hatte das Bedürfnis, einmal wieder hier einzukehren.

Adresse: Hohewartstr. 16, 70469 Stuttgart-Feuerbach
Homepage: www.mr-big-feuerbach.de

Essen
Vielfalt
Ambiente
Service
Gesamt

Pink Martini: Get Happy

Ich räume ein, dass ich vielleicht nicht der objektivste Rezensient für Pink Martini Alben bin. Als Lieblingsinterpret hat Pink Martini bei mir generell schon mal einen ganzen Korb von Vorschusslorbeeren. Dennoch ist es nicht übertrieben zu sagen, dass Get Happy wieder ein überaus gelungenes Album geworden ist.

Es ist eine Reise um die Welt und fesselt einen mit Melodien und Texten aus den verschiedensten Kulturen auf Englisch, Französisch, Chinesisch, Japanisch, Spanisch, Farsi, Türkisch und Rumänisch, ohne jedoch einen gemeinsamen Kontext vermissen zu lassen.

Charlie Chaplin's "Smile", das die 95-jährige Phyllis Diller mit Pink Martini aufnahm, war ihre letzte Aufnahme, bevor die Stand-Up Comedy-Pionierin im August 2012 verstarb.

Auch für dieses Album arbeitete Pink Martini wieder mit anderen Künstlern zusammen, wie z.B. mit Rufus Wainwright, den Urenkeln der Trapp-Familie, den The Von Trapps, dem französischen Liedermacher Philippe Katerine, dem Revuestar Meow Meow (Melissa Madden Gray) und (wie auch schon bei Splendor in the Grass) mit dem außerordentlich attraktiven und offen schwulen National-Public-Radio-Korrespondenten im Weissen Haus Ari Shapiro.

Eine klitzekleine Kritik muss ich jedoch anbringen: Der 7. Titel Zundoko tanzt vom Stil etwas aus der Reihe und passt meiner Meinung nach nicht ganz in den gesamten Blumenstraus der anderen Lieder. Im ersten Moment fand ich es den schwächsten Titel auf der CD. Aber vielleicht muss ich mich auch erst noch daran gewöhnen, denn es wird bei jedem Hören besser. Es gibt ja immer wieder Lieder, in die man sich erst reinhören muss, die dann oft sogar zu Lieblingsliedern werden.

Man soll positive Rezensionen ja immer auch mit etwas positivem beenden. Daran möchte ich mich halten: Das neue Album Get Happy ist wunderbar gelungen und ist sehr Pink-Martiniig (falls es dieses Adjektiv geben sollte). Die Melodien sind eingängig und gefallen schon beim ersten Hören. Liebhaber von Pink Martini werden jedenfalls absolut nicht enttäuscht sein - und ja, es macht wirklich happy!

Abwechslung
Happiness
Gesamt

Image of Get Happy
Preis:EUR 18,45

Tags: 

DLNA, Samsung SmartTV und der Schnellvorlauf

Eigentlich ist das Streaming von Videos per DLNA auf einen Samsung SmartTV eine ganz schöne Sache. Doch es gab für mich lange ein großes Ärgernis: Wenn ein Film über DLNA abgespielt wird und man auf ►► oder ◄◄ drückt, also den schnellen Vorlauf oder Rücklauf, und erwartet, dass (wie beim Abspielen einer DVD) eben jenes geschieht, kommt die Meldung "Funktion nicht verfügbar".

Einige Monate habe ich mich damit abgefunden, in Videos über DLNA weder Spulen noch an eine bestimmte Stelle springen zu können. Aber es ließ mich nicht in Ruhe, ich konnte mir nicht vorstellen, dass das nicht gehen soll. Durch empirische Studien habe ich herausgefunden, dass Vor- und Rücklauf über die "Cursortasten" funktioniert, die eigentlich für die Navigation in Menüs vorgesehen sind. Ich verstehe zwar nicht, wieso Samsung das so gemacht hat, und vor allem, wieso es bei DVD mit anderen Knöpfen funktioniert als bei DLNA, but anyway ...

An eine beliebige Stelle springen geht übrigens auch: Taste "Tools" drücken, und dort dann die "Zeitsuche" auswählen. Dann Zeit eingeben, "Enter drücken", et voilà.

Daher (falls ich es irgendwann mal wieder vergesse, oder jemand anderes die selben Probleme hat):

Vorlauf geht mit der Cursortaste ▶

Rücklauf geht mit der Cursortaste ◀

An eine beliebige Stelle springen geht mit "Tools" und dann "Zeitsuche".

Hitzlsperger, Sotschi und die "Ideologie unter dem Regenbogen"

Die Nachrichten sind in diesen Tagen voll davon: homosexuelle Themen. Der Profifußballer Hitzlsperger hat sich geoutet. Eine Sensation! Zwei Tage lang bestand mein Facebook-Newsfeed ausschließlich aus Meldungen zu Hitzlspergers Coming-out und seinem Mut dazu. Es war sogar die zweite Meldung in der Tagesschau. Erschreckend, denn eigentlich sollte es etwas ganz normales sein, wenn jemand schwul oder lesbisch ist – gerade eben keine Sensation. Und einfach sich selbst zu sein, so wie man wirklich ist, sollte doch nun wirklich keinen Mut erfordern!

Dennoch bin ich Hitzlsperger außerordentlich dankbar für diesen Schritt, und ich erkenne seinen großen Mut an, als erster Profifußballer damit an die Öffentlichkeit zu gehen – wenn auch erst nach seiner aktiven Karriere. Vielleicht werden andere seinem Schritt folgen, denn zumindest rein statistisch gesehen befinden sich mindestens zwei Schwule in jeder Mannschaft. Doch wird es auch für die nächsten nicht leicht sein – vor allem, wenn sie noch aktiv spielen. Einmal am Tor vorbeigeschossen wären aus der Fankurve wahrscheinlich wüste homophobe Beschimpfungen zu erwarten.

Die breite Unterstützung, die Hitzlsperger von allen Seiten bekommt, ist begrüßenswert, wenn auch scheinheilig: Wieso stimmte die Bundesregierung (zumindest die alte unter Union/FDP) gegen fast alle Gesetze, die etwas Gleichberechtigung gebracht hätten? Wieso will die Bundesregierung (also die neue unter Union/SPD) die Ungleichberechtigung nicht beenden? Aber bleiben wir beim Sport: Wieso vergibt man die Fußballweltmeisterschaft 2022 nach Qatar, und damit in ein Land, in dem Homosexualität unter Strafe steht? Wieso vergibt man die olympischen Winterspiele nach Sotschi, wo jegliches "Zurschaustellen" von Homosexualität, also etwa Händchenhalten, verboten ist? Hätte man mit der Vergabe der Winterspiele und der Fußball-WM nicht auch ein Zeichen setzen können? So lange hier noch mit zweierlei Maß gemessen wird, sind alle guten Reden der Funktionäre und Politiker reine Heuchelei.

Das große Unbekannte

Doch woher kommt diese Angst vor Homosexualität? Sie kommt – wie jede Angst vor etwas unbekanntem (Ausländerfeindlichket, Islamfeindlichkeit, Judenfeindlichkeit, ...) – eben daher, dass man dieses Fremde nicht kennt. Und Unbekanntes macht vielen Angst. Was läge darum näher, als das Unbekannte bekannt zu machen? Ja, Aufklärung und Information kann zeigen, dass das Fremde nichts schlimmes ist.

Wie bei all diesen Themen kann die Information hier nur so früh wie möglich beginnen. Wenn schon in der Schule gezeigt wird, dass Homosexualität etwas völlig normales ist, wird hoffentlich "Schwuchtel"/"schwul" als eines der häufigsten Schimpfwörter auf dem Schulhof verschwinden. Und es wird keinen Mut mehr erfordern, einfach nur sich selbst zu sein.

Homosexualität in die Lehrpläne

In Baden-Württemberg gibt es nun die Bestrebungen, Homosexualität in den Lehrplan mit aufzunehmen – und zwar ausführlicher, als nur das rein Technische im Biologieunterricht. Doch schon laufen die Reaktionären Sturm. Mit dem säen diffuser Ängste, die "Homolobby wolle ihre Kinder homosexualisieren", werden Unterschriften gegen die dringend notwendige und sinnvolle Änderung gesammelt. Doch diese Ängste sind natürlich vollkommener Schwachsinn. Jeder, der kurz einmal darüber nachdenkt, wird das auch selbst erkennen.

Es ist weder möglich, jemanden homosexuell zu machen, noch, ihn heterosexuell zu machen. Ich habe schon oft gehört von welchen, die angeblich homosexuell wurden. Doch war es vielleicht nicht eher so, dass sie ihr ganzes Leben schon homosexuell waren, aber nur eine heterosexuelle Rolle spielten, eben weil das Umfeld es so einfordert?
Oder Homosexuelle, die wieder hetero wurden – Halleluja, preiset den Herrn! Aber sind sie vielleicht immer noch homosexuell, trauen sich nur nicht mehr, dies auszuleben. Oder sie wollen eben nicht mehr die Exoten sein, die ständig Mut brauchen, einfach nur sie selbst zu sein, und spielen notgedrungen eine heterosexuelle Rolle, um dem Druck der Gesellschaft zu entgehen?!

Woher kommen diese Ängste, man könne jemanden schwul machen? Ist die heterosexuelle Liebe ein so fragiles und unattraktives Konstrukt, dass zu befürchten ist, dass jeder sich dieser Sache abwendet, sobald er eine bessere Alternative findet? Wie Eltern, die ihrem Kind täglich nur Spinat geben und Angst haben, das Kind könnte Pizza, Schokolade oder Gummibärchen mögen, sobald es von deren Existenz Kenntnis erlangt? Wohl kaum, doch mit eben jener irrationalen Angst werten eigentlich die Gegner homosexueller Liebe ihre eigene Heterosexualität als unattraktiv ab.

Die Welt wird nicht untergehen, wenn in einer Matheaufgabe einmal "Manuela und Petra" zwei Pfund Äpfel für 2.50 Euro kaufen werden. Und wenn im Englischunterricht mal eine Geschichte vorkommt, in der "George and Peter" eine gemeinsame Wohnung suchen, wird kein Flammenmeer vom Himmel fallen. Aber es könnte helfen, dass Homosexualität etwas normales wird. Und dass Jugendliche sich nicht viele Jahre anders, nicht zugehörig oder ausgeschlossen fühlen, und mit der Angst leben müssen, was alles schreckliche passieren könnte, wenn jemand erfährt, dass sie jemanden des selben Geschlechts attraktiv finden.

Aber es macht kein heterosexuelles Kind homosexuell. Punkt. Es hilft allenfalls homosexuellen Kindern, leichter mit ihrer Situation umzugehen. Und wer sollte ernsthaft wollen, dass Kinder es schwer haben? Eine vier mal höhere Suizidrate unter homosexuellen Jugendlichen zeigt, dass es eben nicht einfach ist, einfach nur schwul zu sein, in einem Klima, in dem "Schwuchtel" ein häufiges Schimpfwort ist, und Homosexualität in der Schule am liebsten unter den Tisch gekehrt werden soll. Und es zeigt auch, dass es Handlungsbedarf gibt.

Sexualität: Hetero (default)

Doch es muss eigentlich noch viel weiter gehen. Eine Rechenaufgabe mit Homo-Paar greift nicht weit genug. So lange es immer wieder Überwindung kostet, sich selbst zu sein, gibt es noch Handlungsbedarf. "Jungs spielen mit Autos", "Männer weinen nicht", "Mädchen spielen mit Puppen", "Hast Du schon eine Freundin?" oder dann später: "Bringen Sie doch ihre Freundin zu dem Geschäftsessen mit" ...

Schon im Sandkasten wird einem von allen Seiten vermittelt, "wie man zu sein hat". Man wird geprägt von den Erwartungen, die an einen gestellt werden, und natürlich erst recht, dass man heterosexuell zu sein hat. So lacht es die glückliche Familie von der Margarinewerbung, so lernt man es im Kindergarten, so sieht man es im Kinderfernsehen, so zeigen es die Schulbücher ... Und so lange braucht es auch noch Mut, eben nicht diesen Erwartungen zu entsprechen. Etwa 10% bis 20% der Menschen haben homosexuelle Empfindungen. Laut Kinsey sogar bis zu 50%. Wäre es daher nicht logisch, wenn dann auch ein paar Prozent der glücklichen Familien in der Werbung homosexuell wären? Wenn der Schwule im Film nicht nur die extrovertierte (will meinen "exotische") Tunte ist, sondern einfach mal ein ganz normales Paar? Und wenn ein paar Prozent der Paare in Matheaufgaben gleichgeschlechtlich sind? Es würde ja nur die Gesellschaft wiederspiegeln, in der die Kinder aufwachsen. Nur halt als etwas normales, und nicht als etwas, für das man sich am liebsten schämen sollte.

Es soll ja auch keinesfalls die Heterosexualität abgeschafft werden, wie dumme konservative Kräfte behaupten, um Ängste und Abneigung zu schüren. Es geht ja gerade nicht darum, nur das eine oder nur das andere toll zu finden. Es geht darum, Andersartigkeit anzuerkennen, nicht zu fürchten und sich gegenseitig zu akzeptieren und sich mit Respekt zu begegnen.

Es wirkt immer ein wenig wie ein Kampf zwischen "denen" und "uns". "Wir" gegen "Die". Von beiden Seiten aus gesehen. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, allen die gleichen Rechte zuzugestehen. Es geht darum, zusammen sich gegenseitig Respekt zu zeigen. Und solange es noch Menschen gibt, die nicht verstanden haben, dass alle Menschen gleiche Rechte haben und dass Andersartigkeit keine Bedrohung ist, muss weiter aufgeklärt werden. Die aktuellen Diskussionen und Entwicklungen zeigen, dass man damit besser früher als später noch einen Gang zulegt ...

Grafik basiert auf Foto von Christian Neßlinger / pixelio.de


Wer eine Aufklärung schon in der Schule für sinnvoll hält, darf sich gerne an der Gegenpetition zu: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens beteiligen.

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"Der Koch" von Martin Suter

Maravan ist ein 33-jähriger Tamile, der als Asylbewerber von Sri Lanka in die Schweiz geflohen ist und dort im Zürcher Sternelokal Huwyler niedere Küchendienste verrichtet. Dabei ist er ein begnadeter und sehr leidenschaftlicher Koch, der die traditionellen Rezepte seiner geliebten Großtante mit den modernen Verfahren der Molekularküche verbindet und so außergewöhnliche Gerichte schafft.

Doch sein Fachwissen ist im Huwyler nicht gefragt, er darf nur abspülen und Pfannen schrubben, nur die hübsche Andrea, die im Service arbeitet, nimmt Maravan in Schutz und will sich von ihm bekochen lassen. Da Maravan in Andrea verliebt ist, freut er sich sehr darüber und legt sich besonders ins Zeug. Er verwendet sein Wissen über traditionelle ayurvedische Aphrodisiaka, die in Kombination mit der molekularen Küche ihre Wirkung noch verstärkt zu zeigen scheinen.

Andrea ist danach verwirrt und geht ihm aus dem Weg – denn eigentlich liebt sie nur Frauen. Doch nach einiger Zeit erkennt Sie das Potential von Maravans Gerichten. Nachdem beide gekündigt wurden machen sie sich mit Love Food selbständig, einem Catering für Liebende.

Da die Gerichte nie die Wirkung verfehlen sind sie bald voll ausgebucht. Doch weil Maravan nur ein Asylbewerber ist, kann kein Gewerbe angemeldet werden und die ganze Sache läuft schwarz. Schnell haben sie die gehobenen und einflussreichen Kreise als Kunden: Politiker und Industrielle, die nicht immer eine vollkommen weiße Weste haben.

Für den gläubigen Hindu Maravan kostet es einige innere Überwindung, seine Gerichte auch für Nicht-Ehepaare anzubieten. Doch er benötigt Geld. Geld, das er zu seiner Familie nach Sri Lanka schicken kann. Geld für seine geliebte, aber schwerkranke Großtante, die dringend Medikamente braucht. Geld für seine Erpresser, die den schrecklichen Bürgerkrieg in der Heimat finanzieren wollen, und ihm drohen, seine unangemeldete Gewerbetätigkeit zu melden.

Ja, der Bürgerkrieg in Maravans Heimat belastet ihn schwer und die Sorgen um seine Familie dort. Es ist ein schlimmer Bürgerkrieg aus der Dritten Welt, der in den Medien unserer "Ersten Welt" keinerlei Beachtung findet, und der letztendlich auch das Leben von Familienangehörigen kostet.

Zur Kundschaft von Love Food gehört auch ein Waffenhändler, und somit bekocht Maravan den Waffenlieferanten derer, die den Krieg in seiner Heimat am Laufen halten. Da schmiedet Maravan einen diabolischen Plan für das nächste Catering ...

Der Koch ist das erste Buch von Martin Suter, das ich gelesen habe, aber ich habe es förmlich verschlungen. Sehr detailreich wird beschrieben, wie Maravan mit viel Leidenschaft kocht, und auch alles andere ist sehr detailreich, aber sehr kurzweilig und interessant beschrieben. Das Buch hat keine langweiligen Passagen, und man möchte es am liebsten gar nicht mehr weglegen. Man lernt die zwei Hauptpersonen Andrea und Maravan sowie ihre Partner gut kennen, und meint, sie schon eine ganze Ewigkeit gekannt zu haben. Gleichzeitig geht die Handlung auch immer wieder auf reale Begebenheiten ein, wie z.B. die Bankenkrise, die Wahl Obamas oder auch den Amoklauf in Winnenden.

Auch sehr viel Hintergrundwissen über die Situation in Sri Lanka ist in das Buch eingeflossen und zeigt, dass hier sehr viel seriöse Recherchearbeit getätigt wurde, ohne jedoch belehrend den Zeigefinger zu heben.

Es ist interessant, wie sich verschiedene (zuerst relativ unabhängige) Handlungsfäden immer weiter ineinander verweben und am Ende in einem Faden aufgehen.

Und als Bonus sind alle Rezepte für die verführerischen Mahlzeiten im Anhang angeführt. Das macht Lust aufs Nachkochen.

Ein tolles Buch in einer schönen und klaren Sprache, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

Bewertung

Image of Der Koch
Autor: Martin Suter
Verlag: Diogenes (2011)
Bindung: Broschiert, 320 Seiten
Preis: EUR 10,90

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Wenn an Schwob in Berlin a Häusle baut ...

Ein Freund und sein Lebenspartner bauen gerade ein Haus mit dem berliner Bauträger HS-Solid Bautreuhand GmbH & Co. KG. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Erfahrungen man dabei mit seinen Vertragspartnern machen kann. Die beiden haben sich darum entschlossen, ihre Erfahrungen für die Nachwelt in einem Blog festzuhalten.

... and now, without further ado, please welcome the blog

Bautagebuch Town & Country Stadtvilla 145 ZD

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